... war der Slogan auf den Verpackungen der schönen polizeigrünen Kondome, die die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor einigen Jahren auf dem alljährlichen Großeinsatz anläßlich des Castor-Transports unter den Einsatzkräften verteilte. Schön, daß die Berufsvertretung der Fachleute für die öffentliche Sicherheit sich tatsächlich Gedanken über die Sicherheit ihrer Mitglieder in wirklich allen Belangen gemacht hat... und dieses Vegetieren in Containerdörfern während der gesamten Dauer des Einsatzes ist ja auch wirklich eine äußerst langweilige Angelegenheit.
Dieses Jahr gabs keine Verhüterli, aber wir haben ihn natürlich trotzdem sicher reingebracht (den Castor-Transport, meine ich). Spannend war es auch diesmal nicht, aber dafür durfte ein nicht geringer Teil der Einsatzkräfte statt im Containerdorf im Center-Parc nächtigen und sich von der dortigen Küche verpflegen lassen. Ich muß zugeben, daß ich noch nie eine derart gute Einsatzverpflegung genießen durfte...
Ich würde jetzt gerne noch etwas zur Strategie der Gesamteinsatzleitung, dem Erfolg oder Mißerfolg des Einsatzkonzeptes und der deeskalierenden Wirkung desselben schreiben... leider muß ich sagen, daß ich (als metaphorischer "Schütze Arsch") aufgrund des ziemlich schlechten Informationsflusses zur Basis während des Einsatzes keine Informationen aus erster Hand bekommen konnte. Die Tatsache, daß der Transport die Umladestation mehr als zwölf Stunden später als geplant verlassen hat, ist in meinen Augen allerdings schon relativ aussagekräftig.
Was ich hingegen mit Sicherheit sagen kann, ist, daß das Verständnis der eingesetzten Polizeibeamten für die Demonstranten mit jeder Stunde, die der Transport verzögert wird und die der einzelne Beamte voll aufgerödelt in der Kälte steht, abnimmt. Als wir am Ende unserer Einsatzphase nach fast vierzig Stunden endlich abgelöst wurden, war jeder von uns so weit, sich zu wünschen, daß die Gesamteinsatzleitung den Transport ohne Rücksicht auf Verluste durchprügelt. Dabei wird einem zumindest warm...
Mittwoch, 19. November 2008
Samstag, 1. November 2008
Fortbildung
Nun ist es vorbei... das Polizei-Bundesseminar 2008 des Deutschen Ju-Jutsu Verband (DJJV). Wer es noch nicht kennt, sollte sich überlegen, nächstes Jahr mal teilzunehmen. Für die Kampfsportmuffel unter meinen geschätzten Lesern: es handelt sich nicht um ein JJ-Seminar im eigentlichen Sinne, sondern es geht ausschließlich um polizeispezifische Inhalte aus den Bereichen Eigensicherung (in jeglicher Form), Zugriffstraining und Einsatztaktik. Die Referenten sind überwiegend behördliche Einsatztrainer aus Polizei, Zoll, Justiz und Bundeswehr. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Angehörige der o.g. Behörden (für die Bundeswehr nur Feldjäger und KSK).
Auch dieses Jahr boten die Referenten und Trainer wieder während des gesamten Wochenendes ein buntes Spektrum an Trainingseinheiten und Vorträgen zu den verschiedensten Themen an. Aufgrund der enormen Bandbreite (jeweils sieben bis acht parallel zueinander verlaufende Veranstaltungen) war buchstäblich für jeden Geschmack und jede Interessenlage etwas dabei... Festnahmetechniken, Selbstverteidigung, taktischer Einsatz diverser Einsatzmittel von der Taschenlampe bis zur Schußwaffe, Verhalten vor Gericht, Trainingsgestaltung, Kommunikation, you name it, they got it.
Herauszuheben ist besonders die gute und kollegiale Stimmung während des gesamten Seminars. Wer sich auch nur ansatzweise für das Thema Eigensicherung interessiert und mehr möchte als das, was dienstlich geboten wird, sollte sich dieses Seminarwochenende nicht entgehen lassen. Aber Vorsicht... es gibt jedes Mal deutlich mehr Anmeldungen als die 270 verfügbaren Seminarplätze. Der frühe Vogel fängt den Wurm.. also regelmäßig mal unter http://www.ju-jutsu.de/polizei.html nach der nächsten Ausschreibung gucken.
Auch dieses Jahr boten die Referenten und Trainer wieder während des gesamten Wochenendes ein buntes Spektrum an Trainingseinheiten und Vorträgen zu den verschiedensten Themen an. Aufgrund der enormen Bandbreite (jeweils sieben bis acht parallel zueinander verlaufende Veranstaltungen) war buchstäblich für jeden Geschmack und jede Interessenlage etwas dabei... Festnahmetechniken, Selbstverteidigung, taktischer Einsatz diverser Einsatzmittel von der Taschenlampe bis zur Schußwaffe, Verhalten vor Gericht, Trainingsgestaltung, Kommunikation, you name it, they got it.
Herauszuheben ist besonders die gute und kollegiale Stimmung während des gesamten Seminars. Wer sich auch nur ansatzweise für das Thema Eigensicherung interessiert und mehr möchte als das, was dienstlich geboten wird, sollte sich dieses Seminarwochenende nicht entgehen lassen. Aber Vorsicht... es gibt jedes Mal deutlich mehr Anmeldungen als die 270 verfügbaren Seminarplätze. Der frühe Vogel fängt den Wurm.. also regelmäßig mal unter http://www.ju-jutsu.de/polizei.html nach der nächsten Ausschreibung gucken.
Samstag, 11. Oktober 2008
Night of the living dead
Wochenende, vier Uhr nachts... ein panischer Bürger ruft über Notruf an und meldet, daß auf der Party, auf der er gerade gewesen ist, ein Mann mit einer Axt aufgetaucht sei. Wir fahren mit mehreren Streifenwagen und Diensthunden zu der Anschrift, die sich als feinste Ghettolage in einer malerischen Sozialblocksiedlung entpuppt.
Der Anrufer erwartet uns schon an der Straßenecke und erklärt aufgeregt, er habe selbst gar nichts gesehen, aber der Gastgeber habe ihm zugerufen, es sei ein axtschwingender Eindringling aufgetaucht und er solle sofort die Polizei rufen. Wir nähern uns dem Haus, gehen durchs Treppenhaus hoch und betreten vorsichtig die offenstehende Wohnung im ersten Stock.
Im Flur kommt uns der Gastgeber entgegen, der ob meiner Dienstwaffe etwas konsterniert guckt und uns erklärt, es sei alles nicht so schlimm und der Eindringling sei schon wieder weg. Er wisse auch, wer es sei; es handele sich nämlich um seinen Nachbarn aus dem Nebenhaus. Der müsse von dem eigenen Balkon offensichtlich auf seinen Balkon geklettert sein, jedenfalls sei er plötzlich mit einer Axt in der Hand am Wohnzimmerfenster erschienen und habe dagegengeklopft. Anscheinend habe er sich dann auf demselben Wege wieder entfernt.
Wir flitzen also wieder die Treppe hinunter, ein Gebäude weiter zum Eingang des Nebenhauses und klingeln beim Nachbarn. Nachdem wir etwa fünfmal geklingelt und "Polizei!" gesagt haben und er die Sprechanlage etwa fünfmal aufgehangen hat, brummt der Summer schließlich doch. Wir gehen im Treppenhaus nach oben, wo es natürlich finster wie in einem Bärenarsch ist, weil sämtliche Glühbirnen kaputt sind.
Als wir im ersten Stock angekommen sind, öffnet sich die Wohnungstür und im Schein meiner Taschenlampe erblicke ich einen Menschen, der geradewegs aus einem ziemlich schlechten B-Horrormovie zu stammen scheint. Strähnige lange graublonde Haare, ein bleiches Zombiegesicht, eingefallener Körper... und zu allem Überfluß ist sein einziges Kleidungsstück ein fleckiges Unterhemd. Ich leuchte ihm mit den vollen 230 Lumen ins Gesicht und spreche ihn an, ohne daß er irgendeine Reaktion zeigt. Er starrt uns nur vollkommen verständnislos an. Auf einmal dreht er sich leicht und ich sehe plötzlich im Lichtkegel, daß er mit einem Fleischerbeil in der Hand vor uns steht.
Ich richte umgehend meine Waffe auf ihn, mein Partner tut das gleiche und Gebrüll hebt im Treppenhaus an. Glücklicherweise läßt der Zombie sein Hackebeilchen programmgerecht fallen und legt sich auf den Boden, wo er zunächst von meinem Partner und mir fixiert und gefesselt werden kann. Die Wohnung ist ein übles Dreckloch und voll mit irgendwelchem Müll.
Als ich den Zombie mit strenger Miene nach einer Erklärung für seinen Balkonstunt frage, fängt er erstmal zu stottern an und erläutert mir dann, daß er mit seinen Nachbarn in Streit liege und sich durch die lautstarke Musik ihrer Party in seinem Nachtschlaf gestört gefühlt habe. Er sei nur auf ihren Balkon geklettert, um sich darüber zu beschweren. Das Fleischerbeil habe er mitgenommen, weil er Angst gehabt hätte, ansonsten von ihnen zusammengeschlagen zu werden. Als es an seiner Tür geklingelt habe, sei er fest davon ausgegangen, daß es seine Nachbarn wären, die nun gekommen seien, um ihn fertigzumachen.
Ich erkläre ihm, daß man das Risiko, von anderen Leuten zusammengeschlagen zu werden, zuallererst dadurch verringern kann, daß man nicht uneingeladen auf ihren Balkonen herumklettert. Er hört mir angestrengt zu, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob er diesen Gedanken nachvollziehen kann. Wir nehmen ihm sein Beil ab und fahren wieder weg in der Hoffnung, daß der Schreck gereicht hat.
Lektion für schlaflose Zombies: wenn man sich mit seinen Nachbarn streitet, gibts da so eine Nummer... die kann man anrufen und dann kommt der Onkel mit dem Streifenwagen zwecks Schlichtung. Das ist irgendwie besser als mit einem Beil nächtens von Balkon zu Balkon zu hangeln.
Lektion für Partylöwen: wenn morgens um vier auf einmal ein halbnackter Zombie mit Hackebeilchen an eurem Wohnzimmerfenster erscheint und sich beschweren möchte, dann wart ihr WIRKLICH zu laut.
Der Anrufer erwartet uns schon an der Straßenecke und erklärt aufgeregt, er habe selbst gar nichts gesehen, aber der Gastgeber habe ihm zugerufen, es sei ein axtschwingender Eindringling aufgetaucht und er solle sofort die Polizei rufen. Wir nähern uns dem Haus, gehen durchs Treppenhaus hoch und betreten vorsichtig die offenstehende Wohnung im ersten Stock.
Im Flur kommt uns der Gastgeber entgegen, der ob meiner Dienstwaffe etwas konsterniert guckt und uns erklärt, es sei alles nicht so schlimm und der Eindringling sei schon wieder weg. Er wisse auch, wer es sei; es handele sich nämlich um seinen Nachbarn aus dem Nebenhaus. Der müsse von dem eigenen Balkon offensichtlich auf seinen Balkon geklettert sein, jedenfalls sei er plötzlich mit einer Axt in der Hand am Wohnzimmerfenster erschienen und habe dagegengeklopft. Anscheinend habe er sich dann auf demselben Wege wieder entfernt.
Wir flitzen also wieder die Treppe hinunter, ein Gebäude weiter zum Eingang des Nebenhauses und klingeln beim Nachbarn. Nachdem wir etwa fünfmal geklingelt und "Polizei!" gesagt haben und er die Sprechanlage etwa fünfmal aufgehangen hat, brummt der Summer schließlich doch. Wir gehen im Treppenhaus nach oben, wo es natürlich finster wie in einem Bärenarsch ist, weil sämtliche Glühbirnen kaputt sind.
Als wir im ersten Stock angekommen sind, öffnet sich die Wohnungstür und im Schein meiner Taschenlampe erblicke ich einen Menschen, der geradewegs aus einem ziemlich schlechten B-Horrormovie zu stammen scheint. Strähnige lange graublonde Haare, ein bleiches Zombiegesicht, eingefallener Körper... und zu allem Überfluß ist sein einziges Kleidungsstück ein fleckiges Unterhemd. Ich leuchte ihm mit den vollen 230 Lumen ins Gesicht und spreche ihn an, ohne daß er irgendeine Reaktion zeigt. Er starrt uns nur vollkommen verständnislos an. Auf einmal dreht er sich leicht und ich sehe plötzlich im Lichtkegel, daß er mit einem Fleischerbeil in der Hand vor uns steht.
Ich richte umgehend meine Waffe auf ihn, mein Partner tut das gleiche und Gebrüll hebt im Treppenhaus an. Glücklicherweise läßt der Zombie sein Hackebeilchen programmgerecht fallen und legt sich auf den Boden, wo er zunächst von meinem Partner und mir fixiert und gefesselt werden kann. Die Wohnung ist ein übles Dreckloch und voll mit irgendwelchem Müll.
Als ich den Zombie mit strenger Miene nach einer Erklärung für seinen Balkonstunt frage, fängt er erstmal zu stottern an und erläutert mir dann, daß er mit seinen Nachbarn in Streit liege und sich durch die lautstarke Musik ihrer Party in seinem Nachtschlaf gestört gefühlt habe. Er sei nur auf ihren Balkon geklettert, um sich darüber zu beschweren. Das Fleischerbeil habe er mitgenommen, weil er Angst gehabt hätte, ansonsten von ihnen zusammengeschlagen zu werden. Als es an seiner Tür geklingelt habe, sei er fest davon ausgegangen, daß es seine Nachbarn wären, die nun gekommen seien, um ihn fertigzumachen.
Ich erkläre ihm, daß man das Risiko, von anderen Leuten zusammengeschlagen zu werden, zuallererst dadurch verringern kann, daß man nicht uneingeladen auf ihren Balkonen herumklettert. Er hört mir angestrengt zu, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob er diesen Gedanken nachvollziehen kann. Wir nehmen ihm sein Beil ab und fahren wieder weg in der Hoffnung, daß der Schreck gereicht hat.
Lektion für schlaflose Zombies: wenn man sich mit seinen Nachbarn streitet, gibts da so eine Nummer... die kann man anrufen und dann kommt der Onkel mit dem Streifenwagen zwecks Schlichtung. Das ist irgendwie besser als mit einem Beil nächtens von Balkon zu Balkon zu hangeln.
Lektion für Partylöwen: wenn morgens um vier auf einmal ein halbnackter Zombie mit Hackebeilchen an eurem Wohnzimmerfenster erscheint und sich beschweren möchte, dann wart ihr WIRKLICH zu laut.
Freitag, 10. Oktober 2008
Scheiterhaufen
Auch in Bremen haben die Ermittlungen weitere umfangreiche Erkenntnisse zum Tatplan ergeben. Die mittlerweile ermittelten vier tatverdächtigen Jugendlichen haben in ihren Vernehmungen angegeben, daß der Streifenwagen von ihnen unter einem Vorwand zum Tatort gelockt wurde. Ihr Plan sah wie folgt aus: ein Täter lenkt die im Fahrzeug befindliche Besatzung ab, indem er mit einem Schlagstock auf die Motorhaube einschlägt. Währenddessen wird von hinten die Heckscheibe des Wagens mit einem Gullydeckel eingeworfen und ein Molotow-Cocktail ins Fahrzeug geschleudert. Anschließend sollten die Dienstwaffen der verletzten oder getöteten Polizeibeamten entwendet werden.
Hintergrund der Tat ist anscheinend eine generell feindliche Haltung gegenüber der Polizei, die daraus resultiert, daß jeder der vier Täter bereits diverse Male polizeilich in Erscheinung getreten ist und deswegen zum Ziel polizeilicher Maßnahmen wurde... angefangen bei Schulschwänzerei bis hin zu Eigentums- und Gewaltdelikten (teilweise in deutlich zweistelliger Anzahl). Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verabredung zum Mord und hat bereits Haftbefehle beantragt.
Um es mal etwas prosaischer auszudrücken: vier kleine Zivilversager, die offensichtlich nicht mal einen Hauch vernünftiger Erziehung abbekommen haben, können "Mein" und "Dein" nicht unterscheiden, kriegen folgerichtig Ärger mit der Schmiere und sind darüber so verärgert, daß sie sich in ihrem gerechten Zorn entschließen, die nächstbesten beiden Polizeibeamten bei lebendigem Leibe abzufackeln? Das klingt eher nach Beirut als nach Bremen... und in solchen Momenten komme ich arg ins Grübeln, ob unsere NATO-Kumpels auf der anderen Seite des großen Teichs nicht doch die eine oder andere Sache genau richtig machen. Aus meiner Streifenwagenjockeyperspektive klingt "twentyfive to life" nämlich deutlich angemessener für eine solche Sache als das, was die Bengel nach deutschem Jugendstrafrecht vermutlich bekommen werden.
Hintergrund der Tat ist anscheinend eine generell feindliche Haltung gegenüber der Polizei, die daraus resultiert, daß jeder der vier Täter bereits diverse Male polizeilich in Erscheinung getreten ist und deswegen zum Ziel polizeilicher Maßnahmen wurde... angefangen bei Schulschwänzerei bis hin zu Eigentums- und Gewaltdelikten (teilweise in deutlich zweistelliger Anzahl). Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verabredung zum Mord und hat bereits Haftbefehle beantragt.
Um es mal etwas prosaischer auszudrücken: vier kleine Zivilversager, die offensichtlich nicht mal einen Hauch vernünftiger Erziehung abbekommen haben, können "Mein" und "Dein" nicht unterscheiden, kriegen folgerichtig Ärger mit der Schmiere und sind darüber so verärgert, daß sie sich in ihrem gerechten Zorn entschließen, die nächstbesten beiden Polizeibeamten bei lebendigem Leibe abzufackeln? Das klingt eher nach Beirut als nach Bremen... und in solchen Momenten komme ich arg ins Grübeln, ob unsere NATO-Kumpels auf der anderen Seite des großen Teichs nicht doch die eine oder andere Sache genau richtig machen. Aus meiner Streifenwagenjockeyperspektive klingt "twentyfive to life" nämlich deutlich angemessener für eine solche Sache als das, was die Bengel nach deutschem Jugendstrafrecht vermutlich bekommen werden.
Nachahmung
Anscheinend macht das Kölner Beispiel langsam Schule. Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, haben in der letzten Nacht erneut mehrere Täter versucht, durch einen fingierten Notruf eine Streifenbesatzung der Polizei in einen Hinterhalt zu locken, um gewaltsam gegen sie vorzugehen - diesmal in Bremen. Der Anrufer meldet telefonisch, er werde bedroht. Als die Kollegen eintreffen, versuchen die Täter, die Scheiben des Streifenwagens einzuschlagen. Zwei Täter können festgenommen werden; am Tatort werden später Molotow-Cocktails aufgefunden. Die Polizeibeamten werden glücklicherweise nicht verletzt.
Unter diesen Umständen sollte langsam wirklich bis zum letzten Kollegen durchgedrungen sein, daß man bei selbst jedem banalen Routineeinsatz mit allem rechnen muß und die Augen aufmachen sollte. Jeder von uns sollte sich darüber klarsein, daß er sich jeden Tag, wenn er die Uniform anzieht, selbst zur Zielscheibe für alle möglichen Leute macht, die mit der Polizei ein Hühnchen zu rupfen haben, und daß da draußen Menschen herumlaufen, die bereit sind, uns ohne mit der Wimper zu zucken alles mögliche anzutun... allein wegen unseres Berufes.
Und im vollen Wissen um diese Tatsachen die Entscheidung zu treffen, nicht regelmäßig zu trainieren, kann ich nur als grob fahrlässig bezeichnen.
Unter diesen Umständen sollte langsam wirklich bis zum letzten Kollegen durchgedrungen sein, daß man bei selbst jedem banalen Routineeinsatz mit allem rechnen muß und die Augen aufmachen sollte. Jeder von uns sollte sich darüber klarsein, daß er sich jeden Tag, wenn er die Uniform anzieht, selbst zur Zielscheibe für alle möglichen Leute macht, die mit der Polizei ein Hühnchen zu rupfen haben, und daß da draußen Menschen herumlaufen, die bereit sind, uns ohne mit der Wimper zu zucken alles mögliche anzutun... allein wegen unseres Berufes.
Und im vollen Wissen um diese Tatsachen die Entscheidung zu treffen, nicht regelmäßig zu trainieren, kann ich nur als grob fahrlässig bezeichnen.
Montag, 29. September 2008
Nachtrag
Wie sich inzwischen herausgestellt hat, lag ich mit meiner hier geäußerten Vermutung, daß die Täter im Kölner Hinterhaltsfall die Erbeutung von Dienstwaffen beabsichtigten, anscheinend goldrichtig. Die drei flüchtigen Täter sind mittlerweile ermittelt worden, befinden sich in Untersuchungshaft und haben in ihren Vernehmungen angegeben, daß sie den eingesetzten Polizeibeamten tatsächlich die Waffen abnehmen wollten. Es handelt sich um Jugendliche türkischer und iranischer Abstammung.
Was sie darüberhinaus noch ausgesagt haben, ist jedoch noch erschreckender. Sie haben nämlich übereinstimmend angegeben, daß sie sich dem Dschihad verpflichtet fühlen und die Absicht hatten, die beiden Polizeibeamten anschließend mit Messern lautlos und unauffällig zu töten und mit den erbeuteten Waffen Anschläge auf US-amerikanische Militäreinrichtungen in Heidelberg zu verüben.
Ich erspare mir weitere Kommentare dazu... bis auf etwas, das jeder Polizeibeamte zu seinem Mantra machen sollte... "Never, ever give up!"
Was sie darüberhinaus noch ausgesagt haben, ist jedoch noch erschreckender. Sie haben nämlich übereinstimmend angegeben, daß sie sich dem Dschihad verpflichtet fühlen und die Absicht hatten, die beiden Polizeibeamten anschließend mit Messern lautlos und unauffällig zu töten und mit den erbeuteten Waffen Anschläge auf US-amerikanische Militäreinrichtungen in Heidelberg zu verüben.
Ich erspare mir weitere Kommentare dazu... bis auf etwas, das jeder Polizeibeamte zu seinem Mantra machen sollte... "Never, ever give up!"
Mittwoch, 24. September 2008
Hinterhalt
Im Oktober 1991 wurden im niedersächsischen Holzminden zwei Polizeibeamte mittels einer fingierten Verkehrsunfallmeldung in einen Hinterhalt gelockt und von den Tätern mit einem Sturmgewehr erschossen.
Heute, siebzehn Jahre danach, berichtet die Polizei Köln von einem ähnlich gelagerten Fall, bei dem glücklicherweise kein Polizeibeamter zu Schaden kam. Ein Anrufer meldet eine hilflose Person. Als die eingesetzte Streifenbesatzung sich der auf dem Fußweg liegenden männlichen Person nähert, springt diese auf, während gleichzeitig zwei weitere Männer aus dem Wald kommen und die Beamten mit Schußwaffen bedrohen. Die Beamten fordern die Täter auf, die Waffen abzulegen. Als diese der Aufforderung nicht nachkommen, geben sie zwei Warnschüsse ab, worauf die Täter flüchten und dabei mehrfach in Richtung der Polizeibeamten schießen. Später wird am Tatort eine Schreckschuß-Pumpgun gefunden.
Dieser Ereignisablauf zeigt in meinen Augen drei fundamental wichtige Dinge auf:
1. Es gibt keine Routineeinsätze... zumindest sollte man sein Möglichstes tun, um sie nicht als solche zu betrachten. Eine derartige unschöne Überraschung kann im Verlauf jedes Einsatzes auftreten. Jeder von uns sollte sich dazu erziehen, auch bei scheinbar belanglosen Einsätzen aufmerksam an die Situation heranzugehen, nichts als gegeben vorauszusetzen und seine Wachsamkeit niemals aufzugeben. Das ist schwierig, insbesondere wenn man schon ein paar Jahre Diensterfahrung hinter sich hat, aber es könnte eines Tages unsere Haut retten.
2. Eine Warnung ist in einer Notwehrsituation ein unnötiges Risiko. Wenn die Täter in dem vorliegenden Fall die Absicht gehabt hätten, die Polizeibeamten (wie seinerzeit in Holzminden) zu töten, hätte ihnen die Androhung des Schußwaffengebrauchs durch verbale Aufforderung und Warnschüsse womöglich genau die zwei, drei Sekunden an zusätzlicher Zeit gegeben, die sie gebraucht hätten. Im übrigen ergibt die rechtliche Würdigung, daß die meisten Polizeigesetze der einzelnen Bundesländer heutzutage die Androhung des Schußwaffengebrauchs nur dann fordern, wenn der Beamte sich dadurch nicht selber unverhältnismäßig gefährdet. Ich beglückwünsche die Kollegen zu dem guten Ausgang der Situation... aber in dem Moment, in dem ich mit einer Schußwaffe bedroht werde, ist die adäquate Reaktion meinerseits der sofortige Einsatz meiner eigenen Waffe in Verbindung mit einer sofortigen entschlossenen Bewegung in Deckung und aus der Angriffsrichtung heraus. Jedes Zögern kann sich fatal auswirken.
3. Die Schlußfolgerung liegt nahe, daß die Täter hier beabsichtigt haben, sich auf diese Weise scharfe Dienstwaffen zu verschaffen. Der Vorfall zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, daß es in einer derartigen Lage ein Kapitalfehler wäre, die eigene Waffe aufzugeben. Diese Grundregel sollte sich jeder Berufswaffenträger unauslöschlich einprägen. In der Vergangenheit hat es immer wieder Fälle gegeben, in denen Polizeibeamte in einer Bedrohungslage ihre Waffen und sich selber aufgegeben haben, und meistens ist es nicht gut ausgegangen. Wenn ich meine Waffe behalte und den Anweisungen des Täters nicht nachkomme, riskiere ich zwar eine Eskalation der Lage, aber ich behalte meine Handlungsfreiheit und meine Chance auf entschlossene Gegenwehr. Vielleicht werde ich dabei verletzt, vielleicht auch getötet, aber ich habe zumindest eine reelle Chance, den Ausgang der Situation in meinem Sinne zu beeinflussen. In dem Moment jedoch, in dem ich meine Waffe aufgebe, liefere ich mich buchstäblich der Gnade des Täters aus... ich mache mein Leben und meine Gesundheit vollständig von seiner Entscheidung abhängig, und das ist nicht akzeptabel bzw. mindert meine Chancen noch viel gravierender. In diesem Sinne meinen Respekt für die beiden Kollegen, die in dieser Situation das Richtige getan und sich gewehrt haben.
Heute, siebzehn Jahre danach, berichtet die Polizei Köln von einem ähnlich gelagerten Fall, bei dem glücklicherweise kein Polizeibeamter zu Schaden kam. Ein Anrufer meldet eine hilflose Person. Als die eingesetzte Streifenbesatzung sich der auf dem Fußweg liegenden männlichen Person nähert, springt diese auf, während gleichzeitig zwei weitere Männer aus dem Wald kommen und die Beamten mit Schußwaffen bedrohen. Die Beamten fordern die Täter auf, die Waffen abzulegen. Als diese der Aufforderung nicht nachkommen, geben sie zwei Warnschüsse ab, worauf die Täter flüchten und dabei mehrfach in Richtung der Polizeibeamten schießen. Später wird am Tatort eine Schreckschuß-Pumpgun gefunden.
Dieser Ereignisablauf zeigt in meinen Augen drei fundamental wichtige Dinge auf:
1. Es gibt keine Routineeinsätze... zumindest sollte man sein Möglichstes tun, um sie nicht als solche zu betrachten. Eine derartige unschöne Überraschung kann im Verlauf jedes Einsatzes auftreten. Jeder von uns sollte sich dazu erziehen, auch bei scheinbar belanglosen Einsätzen aufmerksam an die Situation heranzugehen, nichts als gegeben vorauszusetzen und seine Wachsamkeit niemals aufzugeben. Das ist schwierig, insbesondere wenn man schon ein paar Jahre Diensterfahrung hinter sich hat, aber es könnte eines Tages unsere Haut retten.
2. Eine Warnung ist in einer Notwehrsituation ein unnötiges Risiko. Wenn die Täter in dem vorliegenden Fall die Absicht gehabt hätten, die Polizeibeamten (wie seinerzeit in Holzminden) zu töten, hätte ihnen die Androhung des Schußwaffengebrauchs durch verbale Aufforderung und Warnschüsse womöglich genau die zwei, drei Sekunden an zusätzlicher Zeit gegeben, die sie gebraucht hätten. Im übrigen ergibt die rechtliche Würdigung, daß die meisten Polizeigesetze der einzelnen Bundesländer heutzutage die Androhung des Schußwaffengebrauchs nur dann fordern, wenn der Beamte sich dadurch nicht selber unverhältnismäßig gefährdet. Ich beglückwünsche die Kollegen zu dem guten Ausgang der Situation... aber in dem Moment, in dem ich mit einer Schußwaffe bedroht werde, ist die adäquate Reaktion meinerseits der sofortige Einsatz meiner eigenen Waffe in Verbindung mit einer sofortigen entschlossenen Bewegung in Deckung und aus der Angriffsrichtung heraus. Jedes Zögern kann sich fatal auswirken.
3. Die Schlußfolgerung liegt nahe, daß die Täter hier beabsichtigt haben, sich auf diese Weise scharfe Dienstwaffen zu verschaffen. Der Vorfall zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, daß es in einer derartigen Lage ein Kapitalfehler wäre, die eigene Waffe aufzugeben. Diese Grundregel sollte sich jeder Berufswaffenträger unauslöschlich einprägen. In der Vergangenheit hat es immer wieder Fälle gegeben, in denen Polizeibeamte in einer Bedrohungslage ihre Waffen und sich selber aufgegeben haben, und meistens ist es nicht gut ausgegangen. Wenn ich meine Waffe behalte und den Anweisungen des Täters nicht nachkomme, riskiere ich zwar eine Eskalation der Lage, aber ich behalte meine Handlungsfreiheit und meine Chance auf entschlossene Gegenwehr. Vielleicht werde ich dabei verletzt, vielleicht auch getötet, aber ich habe zumindest eine reelle Chance, den Ausgang der Situation in meinem Sinne zu beeinflussen. In dem Moment jedoch, in dem ich meine Waffe aufgebe, liefere ich mich buchstäblich der Gnade des Täters aus... ich mache mein Leben und meine Gesundheit vollständig von seiner Entscheidung abhängig, und das ist nicht akzeptabel bzw. mindert meine Chancen noch viel gravierender. In diesem Sinne meinen Respekt für die beiden Kollegen, die in dieser Situation das Richtige getan und sich gewehrt haben.
Abonnieren
Posts (Atom)